My Supps GmbH & Co. KG My Supps GmbH & Co. KG Contact Details:
Main address: Waldhofstr. 19 25474 Ellerbek, Germany
Tel:+49 (0) 4101 /300 7 600, Fax:+49 (0) 4101 /300 7 601, E-mail: info@my-supps.de
07.04.2016

Fettabbau in Höhenlage

Ein kontrollierbarer Zustand der Hypoxie bietet nachweislich Stoffwechselvorteile, die denen des hochintensiven Intervalltraining ähneln.

Fettabbau in Höhenlage
Bildquelle: Sportrevue
Höhentraining – ja sogar wenn man nur in höherer Lage lebt wie in Denver, die „Mile High City“ in Colorado, USA – scheint gegen Übergewicht oder Fettleibigkeit zu schützen. Klar, es gibt neben der Höhenlage noch viele andere Faktoren, die Colorado zu einem gesünderen und wohlhabenden Staat machen, aber seine hohe Lage trägt sicherlich dazu bei. Wer Körperfett und -gewicht abspecken will, für den haben die Rocky Mountains vielleicht eine Lösung parat, die kostenlos und erbaulich ist. Für diejenigen, die im Flachland oder in niedrigerer Höhenlage leben, gibt es künstliche Umfelder, die eine solche hohe Lage simulieren. Viele Radsportler schlafen in geschlossenen Betten, die konsequent den Sauerstoffgehalt einer hohen Lage beibehalten. Diese Betten können relativ kostengünstig hergestellt werden; und wenn die Resultate einer Gewichtsabnahme nachgewiesen werden können, wird es mit der Zeit sicherlich auch eine käufliche Variante geben...

Geringere Entwicklung von Fettleibigkeit


Kürzlich wurde eine recht überzeugende Beobachtungsstudie veröffentlicht. Beobachtungsstudie heißt: Forscher haben Menschen, die unter verschiedenen Bedingungen leben, einfach nur beobachtet und verglichen. Sie gaben ihnen keine Anweisungen für ihre Ernährung oder Trainingsprogramme und stellten auch keine Vergleiche zwischen der Verabreichung von Arzneien/ Supplementen gegenüber einem Placebo an. Die Gruppe der fast 100000 Probanden setzte sich aus Angehörigen der US-Streitkräfte (Heer- und Luftwaffenabteilungen) während des aktiven Dienstes zusammen. Sie wurden über einen Zeitraum von sechs Jahren beobachtet, und ausgewertet wurde ihre Entwicklung von übergewichtig bis adipös (definiert durch den Body-Mass-Index/BMI) – oder anders ausgedrückt; ob sie dicker wurden. Zu den Probanden gehörten nur solche, die mindestens zwei Jahre aktiven Dienst leisteten und übergewichtig, aber nicht adipös (fettleibig) waren. Weitere Faktoren wie Alter, Einkommen, Rasse und so weiter wurden mit einkalkuliert, um möglichst „saubere“ Resultate zu liefern. Es wurden nur Daten von U.S.-Stützpunkten und keine aus Übersee verwendet.

Zuvor hatten die Forscher berichtet, dass unter US-Bewohnern in niedriger Höhenlage Adipositas (Fettleibigkeit) viermal so oft verbreitet war als bei Amerikanern, die in hoher Lage lebten. Trotz dieses enormen Unterschieds kann das nicht als etwas Endgültiges für ein Ursache-Wirkung-Verhältnis betrachtet werden, sondern ist nur eine Assoziation. Es sollte vermerkt werden, dass sich dieser Unterschied nach der Bereinigung anderer Faktoren wie Ernährung, körperliche Aktivität, Rauchen et cetera ergab.

Der Befund dieser sechsjährigen Untersuchung ergab, dass bei Angehörigen, die 1960 Meter über dem Meeresspiegel lebten (etwas höher als Colorado Springs), die Risikorate um 41 Prozent niedriger lag, Fettleibigkeit zu entwickeln, als bei denjenigen, die unter 980 Meter lebten. Die Forscher sahen die Höhenlage eher als fortschreitende denn als segmentierte Variable. Mit anderen Worten: Alle Stützpunkte von null bis 980 Meter wurden einzeln statt als Gruppen betrachtet. Das erfolgte für den gesamten Datensatz. Auf diese Weise betrachtet, war der Schutzwert einer hohen Lage gegen eine Entwicklung von Adipositas (hauptsächlich Männer) ein um sechs Prozent niedrigeres „Risiko“ für je den Kilometer Höhe. Schaut man sich allerdings die Rohdaten an, so sieht man, dass das Leben in oder über 980 Meter im Vergleich zum Meeresspiegelniveau einen großen Vorteil bietet und dass der Unterschied zwischen einer Höhe ähnlich der von Denver (knapp 1600 Meter über dem Meeresspiegel) und höheren Lagen optisch unbedeutend ist. Tatsächlich wiesen einige extrem hoch gelegene Stützpunkte (über 1900 Meter) eine relative Steigerung des Adipositas-Risikos im Vergleich zu Denver-ähnlichen Höhenlagen auf.

Die Autoren der Studie stellten fest, dass sich die Risikoverhältnisse in Übereinstimmung mit den Raten der Zivilbevölkerung hinsichtlich der Fettleibigkeit und des Rauchens befanden. Es ist verständlich, dass heutige soziale und Umweltbedingungen die Bevölkerung ein wenig formen. Also profitieren auch Zivilisten, die in höherer Lage leben, in ähnlicher Weise davon wie Militärangehörige. Außerdem schützt Rauchen – trotz all seiner gesundheitlichen Schäden – gegen Gewichtszunahme. Für jedes Prozent Steigerung der Adipositas in der Zivilbevölkerung gab es daher ein zehn Prozent größeres Risiko für Militärangehörige, fettleibig zu werden, und für jedes Prozent der Steigerung der Verbreitung des Rauchens in der Zivilbevölkerung gab es ein vier Prozent niedrigeres Risiko einer zukünftigen Fettleibigkeit.

Hypoxie bietet ähnliche Vorteile wie HIIT


Die Autoren der Studie schrieben den Befund einer geringeren Sauerstoffverfügbarkeit in höheren Lagen zu, was zu einem Zustand namens Hypoxie führt. Das bedeutet, dass im Blut weniger Sauerstoff verfügbar ist, um den Anforderungen des Stoffwechsels gerecht zu werden. Wenn Sie annähernd auf Meeresspiegelniveau leben und mal in den Bergen waren, haben Sie vielleicht gemerkt, dass Sie beim Wandern oder Skilaufen schnell etwas kurzatmig wurden. In extremen Höhenlagen können Menschen Kopfschmerzen bekommen oder andere Symptome entwickeln, was man als „Höhenkrankheit“ bezeichnet. Allerdings kann man sich dem innerhalb von ein oder zwei Tagen anpassen. Selbst erfahrene Bergsteiger unternehmen keine Aufstiege, ohne sich die Zeit zu nehmen, sich an die höheren Lagen anzupassen.

Ein kontrollierbarer Zustand der Hypoxie bietet nachweislich Stoffwechselvorteile. Und wenn man sie untersucht, ähneln sie denen des hochintensiven Intervalltrainings (HIIT). Der Körper wird hinsichtlich der Verwertung von Glukose (Zucker) als Treibstoff für den Stoffwechsel effizienter, da dieser in relativer Abwesenheit von Sauerstoff zur Energiegewinnung „verbrannt“ werden kann. Natürlich ist immer Sauerstoff vorhanden, aber wenn die anaerobe („ohne Sauerstoff“) Komponente nicht beeinträchtigt und der aerobe („sauerstoffbedürftige“) Teil gehemmt wird, unternimmt der Körper Veränderungen, um sich mehr auf die anaerobe Glykolyse zu verlassen – auf die Verbrennung von Zucker in Form von Kalorien in der Gegenwart unzureichenden Sauerstoffs. Um dies zu leisten, werden die stoffwechselaktiven Gewebe (zum Beispiel die Skelettmuskulatur) insulinsensibler und erlauben diesen Gewebearten, mehr Zucker aus dem Blutkreislauf zu ziehen. Eine noch extremere Form der Konditionierung durch Hypoxie wird durch eine kardioprotektive Methode untersucht. Dazu verwendet man eine Blutdruckmanschette, um die Durchblutung eines Arms oder Beins für Fünf-Minuten-Intervalle stark zu drosseln – jeweils unterbrochen von fünf Minuten ohne Manschette. Wie sich gezeigt hat, verringern sich dadurch Schädigungen des Herzens bei Tieren, die von „Herzinfarkten“ bedroht sind. Da sich mithilfe dieser Blutokklusion bessere Trainingsanpassungen erzielen lassen, scheint sich dies als eine systemische „ischämische Konditionierung“ auszuzeichnen.

Es wird behauptet, dass Stoffwechselprodukte, die während dieser sauerstoffarmen Belastung produziert werden, zirkulieren und Vorteile für den ganzen Körper bieten. Der Nutzen einer „ischämischen Konditionierung“ für die Gewichtsabnahme wurde bislang nicht untersucht. Allerdings hat man festgestellt, dass Menschen mit Lungenkrankheiten und wenig Blutsauerstoff unter Gewichtsverlust leiden. Das ist in solchen Fällen jedoch mehr als nur ein Fettverlust, da hier auch Magermasse verloren geht: ein Zustand, der als Kachexie bezeichnet wird. Selbst gut konditionierte Sportler neigen dazu, Muskelmasse zu verlieren, wenn sie in großer Höhenlage trainieren, und müssen daher sehr auf ihre Protein- und Kalorienaufnahme achten.

Hormonelle Änderungen


Neben Stoffwechselveränderungen bewirkt das „Leben in hoher Lage“ hormonelle Veränderungen, die zum Appetitverlust und einem erhöhten Stoffwechsel (Kalorienverbrennung)
führen. Das Hormon Leptin wird von Fettzellen abgeleitet und verringert bei Menschen, die empfindlich auf seine Auswirkungen reagieren, den Appetit und kurbelt den Stoffwechsel an. In hoher Lage erhöht sich die Leptinproduktion, und die Konzentration des Leptinrezeptors ist ebenfalls erhöht. Das bedeutet, der Körper ist empfänglicher gegenüber Leptin, so dass mehr davon vorhanden ist. Menschen, die bereits fettleibig sind, tendieren leider dazu, leptinresistent zu sein, so dass die Auswirkung bei denen, die es am ehesten benötigen, verzögert, abgeschwächt oder nicht vorhanden ist. Man hat festgestellt, dass sich die Konzentration bei zwei weiteren appetitunterdrückenden Hormonen in hoher Lage erhöht, und zwar bei CCK und Noradrenalin. Interessanter aber ist die Wirkung des roten Blutkörperchen produzierenden Hormons Erythropoietin (EPO) auf Körperfett. EPO ist bestens bekannt als Dopingmittel für Radsportler, um für mehr rote Blutkörperchen zu sorgen. Es wirkt sich jedoch auch auf die Vorläuferzellen für Adipozyten (Fettzellen) aus und hält sie davon ab, ausgereifte Fettzellen zu werden.

Passiver Gewichtsverlust


Unter Verwendung geschlossener „Höhenkammern“ in einem sauerstoffarmen Umfeld – ähnlich wie dem in Denver – ein Nickerchen machen, schlafen oder arbeiten und sich einer passiven Gewichtsabnahme und Appetitunterdrückung erfreuen: eine faszinierende Vorstellung! Das Training unter solchen Bedingungen könnte die Stoffwechselvorteile, die man beim Herz-Kreislauf-Training festgestellt hat, in ähnlicher Weise erhöhen wie beim hochintensiven Intervalltraining. Noch höher gelegene Lagen – ob real oder simuliert – könnten zu geringeren Vorteilen oder sogar zu Leistungseinbußen infolge der „geringen Sauerstoffbelastung“ führen. Bedenkt man die epidemische Verbreitung einer Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes, hat das sehr praktische Anwendungen. Es erhöht das Risiko für Ischämie bei Personen mit Vorerkrankungen (zum Beispiel die atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung). Daher ist es wichtig, zu gewährleisten, dass Sie gesund genug sind, um die Herausforderung relativ sauerstoffarmer Bedingungen zu ertragen.


Text von Daniel Gwartney
Foto von Muscular Development


Banner Sportrevue
Text mit freundlicher Unterstützung der Sportrevue