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25.03.2016

Nandrolon: Freund oder Feind?

Die meisten Bodybuilder und Kraftsportler kennen das anabol-androgene Steroidhormon Nandrolon.

Nandrolon: Freund oder Feind?
Bildquelle: Sportrevue
Die meisten Bodybuilder und Kraftsportler kennen das anabol-androgene Steroidhormon Nandrolon. Auch als 19-Nortestosteron bezeichnet (das Molekül ist strukturell identisch mit dem von Testosteron, außer der C-19 Methylgruppe), wird Nandrolon seit Jahrzehnten therapeutisch von Ärzten benutzt und ebenso lang von Kraftsportlern und Bodybuildern missbraucht. Meistens tritt es als langwirkender Decanoat-Ester auf (ein Steroid mit einer C-10 Seitenkette) und ist infolge des Markennamens Deca-Durabolin als „Deca“ bekannt. Durabolin ist ein kürzer wirkender Phenylpropionat-Ester, der von vielen Bodybuildern aufgrund seines schnelleren Wirkeintritts und seiner augenfälligen Vorteile bezüglich Definition und Muskelmasse bevorzugt wird. Diese Vorteile resultieren eher aus der Pharmakokinetik als aus Unterschieden des eigentlichen Basissteroids.

Der sichtbare kleine Unterschied zwischen Testosteron und Nandrolon ist nicht unwichtig. Er beeinflusst die relative Kraft beim Andocken an den Androgenrezeptor, an das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG) und an die enzymatischen Stoffwechselprodukte. Kurz gesagt: Nandrolon ist auf anaboler Ebene selektiver als Testosteron. Es bindet sich stärker an den Androgenrezeptor und wird – noch wichtiger – durch das Enzym 5-Alpha Reduktase in ein weniger potentes Androgen umgewandelt. Dieses Enzym wandelt Testosteron in sein stärkeres Stoffwechselprodukt DHT um. Das wiederum reduziert die androgene Stimulation der Geschlechtsdrüsen und des Gewebes (zum Beispiel der Prostata, Samenblasen und Haarfollikel). Es ist resistent gegen Aromatisierung (Umwandlung in ein Östrogen), kann aber immer noch das Brustgewebe stimulieren (Gynäkomastie) und überdies den Hypothalamus sowie die Hypophyse unterdrücken.

Nandrolon-Decanoat (Deca) ist ein bewährtes Steroid, das sowohl Wettkampf- als auch Freizeit-Bodybuildern sowie unzähligen anderen Sportlern und körperbewussten Menschen zuverlässig dient. Selbst ein bescheidener Dosierungsplan von 200 Milligramm pro Woche durch intramuskuläre Injektionen führte bei erfahrenen Bodybuildern zu ungefähr 2,5 Kilo mehr Masse in der Skelettmuskulatur, ohne sich auf den Fettanteil oder Wasserhaushalt auszuwirken.

Deca-Durabolin ist eines der wenigen Steroide, die zur klinischen Verwendung bei menschlichen Krankheiten anerkannt sind (zum Beispiel gegen die mit AIDS oder Krebs verbundene Schwindsucht). Obwohl es auch im Sport-Doping eine Rolle spielte, wissen Sportler heute, dass es auch mehrere Monate nach Verabreichung leicht entdeckt wird. Also wird es bei Sportarten mit Doping-Kontrollen vermieden.

Nützliche Eigenschaften


Zusätzlich zu seinen muskelaufbauenden und kraftfördernden Wirkungen besitzt Nandrolon weitere nützliche Eigenschaften. Einige dieser Vorteile betreffen die Verwendung von Nandrolon selbst, andere seinen Gebrauch zusammen mit Testosteron oder anderen Steroiden. „Anabol“ bedeutet Gewebeaufbau, und ist nicht nur auf die Skelettmuskulatur begrenzt. Auch anderes Gewebe reagiert auf Nandrolon mit größerer Zellmasse oder gesünderen Gewebeeigenschaften. Es steigert effektiv die Masse roter Blutkörperchen und die Knochendichte. Im Vergleich zu Testosteron hingegen sind Nandrolon und sein 5-Alpha-reduziertes Stoffwechselprodukt DHN weniger effektiv, um Gewebemasse in den Geschlechtsdrüsen (zum Beispiel Prostata, Samenblasen) zu erhalten. Dafür beschleunigen sie nicht den Haarausfall bei Männern und tendieren auch nicht zu einer Aggressionssteigerung.

Dass Nandrolon Gelenkschmerz lindern soll, ist wahrscheinlich mit Östrogen- und Progesteronwirkungen in der Gelenkschleimhaut und in den Knorpeln der Gelenke verbunden
– insbesondere, wenn es zusammen mit nicht-aromatisierenden Steroiden (zum Beispiel Stanozolol) oder Aromatasehemmern (zum Beispiel Arimidex, Femara) wirkt. Da Nandrolon jedoch nicht durch Aromatase, sondern über einen anderen Weg in sein Östrogen-Stoffwechselprodukt umgewandelt wird, bieten Aromatasehemmer wenige Vorteile, falls östrogenverwandte Wirkungen wie etwa Gynäkomastie auftreten. Der Vorteil dieser Eigenschaften könnte sich jedoch zeigen, wenn Nandrolon zusammen mit Testosteron oder Stanozolol verwendet wird, indem es einige der nachteiligen Wirkungen, die mit solchen Steroiden assoziiert werden, ausgleichen könnte, nämlich Prostatavergrößerung, Aggressionen und Haarausfall.

Risiken und Vorteile abwägen


Entscheidend ist, dass sich Klinikärzte ode r illegale Nutzer von Nandrolon auch der möglichen Nebenwirkungen bewusst sind, so dass sie das Risiko-Vorteil-Verhältnis abwägen können. Das ermöglicht Medizinern, mit Nandrolon behandelte Patienten sachgemäß zu beobachten – von denen viele bereits an einer Krankheit oder an Beschwerden leiden. Wer Nandrolon auf illegale Weise nutzt, sollte über die damit verbundenen Risiken informiert sein. Somit trägt man allein die Verantwortung für seine Entscheidung und den unter Umständen negativen Ausgang...

Nandrolon gilt als weniger schädlich sowie milder und sicherer als Testosteron; erst recht als die oral aufzunehmenden Steroide und die meisten anderen injizierbaren Ester. Das liegt zum Teil an dem verzögerten Wirkungseintritt (positiv und negativ), an dem verringerten Auftreten von Gemütsstörungen und Aggressionen sowie dem Verwendungszweck (wenn es zum Beispiel eher um das körperliche Aussehen als um Masse oder Kraft geht). Außerdem wurde kürzlich berichtet, dass Nandrolon ein endogenes Hormon ist, das in kleinen Mengen im Körper produziert wird – weniger als ein Prozent der Testosteronmenge. Trotz dieser Versicherungen gibt es eine Reihe von möglichen negativen Wirkungen, die bei einem therapeutischen Einsatz von Nandrolon zu spüren sind. Ein Missbrauch oberhalb der normalen physiologischen Dosis erhöht sehr wahrscheinlich das Risiko.

Dickes Blut und Gerinnungsfaktoren


Wie bereits erwähnt, erhöht Nandrolon die Masse roter Blutkörperchen, ein gemeinsames Merkmal aller Androgene. Das kann zu einem Zustand führen, der fälschlicherweise als Polyzythämie bezeichnet wird, korrekt aber sekundäre Erythrozytose lautet. Das ist so ähnlich wie mit dem „dicken Blut“ bei Radsportlern, nachdem sie EPO gespritzt oder „Blut-Doping“ (Reinfusion des eigenen Bluts vor einem Rennen) angewendet haben. Wenn der Hämatokrit, ein Maß für den Anteil des Blutvolumens, das eher aus Zellen als aus Flüssigkeit (Plasma) besteht, über 55 Prozent liegt, erhöht sich das Risiko der Blutgerinnung. Das kann besonders besorgniserregend bei dehydrierten Personen sein (zum Beispiel bei Ausdauersportlern infolge von Schweißverlust oder bei Bodybuildern, die Diuretika anwenden). Zum Glück sind jüngere Erwachsene resistenter gegen solche Auswirkungen. Doch ältere Männer sind dagegen anfälliger für diese potenziell schädliche Veränderung.

Weitere Gerinnungsfaktoren können vermehrt durch die Verwendung von Nandrolon auftreten. Das liegt zum Teil an einem im Körper gebildeten Stoffwechselprodukt von Nandrolon, das – wenngleich in begrenzter Produktion – ein potentes Östrogen ist. Der Gebrauch beziehungsweise Missbrauch von Nandrolon wurde in mehreren Fällen gefährlicher Blutgerinnung gemeldet. Dazu gehörten Herzinfarkte, die eine stationäre Behandlung erforderten. Das Risiko einer Blutgerinnung wird noch dadurch verschlimmert, dass Nandrolon Arteriosklerose fördern kann – die Bildung von Plaque in den Arterien aufgrund schädlicher Veränderungen im Lipidprofil (Cholesterin und Triglyzeride). Das mag kein Problem für eine acht- bis zwölfwöchige Anwendungsphase sein. Aber mit der Zeit kann das dazu führen, dass Nandrolon den Blutfluss zu lebenswichtigen Organen drosselt. Wer als Mann eine langfristige Nandrolonapplikation als Teil eines Ersatzprogramms in Betracht zieht, um altersbedingte Verschlechterungen zu behandeln, sollte sein Lipidprofil beobachten und vor Behandlungsbeginn seine Arterien scannen lassen, wobei zumindest die Bauchaorta und die Halsschlagadern untersucht werden sollten.

Geringere Testosteron- und Spermaproduktion


Wie alle anabolen Steroide kann Nandrolon die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse unterdrücken, was zu einer Verringerung der natürlichen Testosteronproduktion und Unterfunktion der Hoden (Hypogonadismus) führt. Nandrolon-Decanoat soll nach Ende der Anwendungsperiode zu einem ausgedehnten Hypogonadismus über Monate bis Jahre führen. Das könnte an der langsamen Freisetzung des Ester und des Östrogen-Stoffwechselprodukts sowie an der Stimulation der Progesteronrezeptoren liegen. Nandrolon und ähnliche Präparate sind jahrelang als Verhütungsmittel für Männer untersucht worden, da sie die Testosteron- und Spermaproduktion unterdrücken. Als Folge könnte sich die Erholung nach dem Aufnahmezyklus schwieriger gestalten, da das Timing des Peptidhormons hCG verschoben und eine Zusatztherapie mit Clomifen erforderlich werden müsste.

Nandrolon kann, wenn es allein aufgenommen wird, die sexuelle Funktion beeinträchtigen. Die 5-Alpha Reduktase wandelt es in ein weniger androgenes Stoffwechselprodukt um und nicht in ein potentes Androgen, wie es der Fall ist, wenn Testosteron in DHT umgewandelt wird. Das kann zu Stimmungsschwankungen, verminderter Libido und bei einigen Männern sogar zu einer erektilen Dysfunktion führen.

Schließlich gibt es widersprüchliche Aussagen über die Auswirkung von Nandrolon auf die Sehnenkraft. Tierversuche zeigen mikrostruktuelle Veränderungen auf, die verletzungsanfällig machen würden. Aber klinische Untersuchungen berichten von Vorteilen bei Testreihen, in denen Nandrolon während der postoperativen Sehnenreparatur angewendet wurde.

Muskeln, Kraft und mögliche Risiken


Nandrolon kann zweifellos für gute Resultate bezüglich Muskelmasse, Kraft und Aussehen sorgen. Es ist gut verträglich und wird zur klinischen Behandlung bestimmter Erkrankungen verwendet. Allerdings ist es nicht gänzlich gutartig; und wer Nandrolon anwenden will – unter ärztlicher Aufsicht oder auf illegale Weise –, muss sich der möglichen Risiken bewusst sein. Nandrolon ist als Decanoat-Ester für kurze Anwendungsphasen (zum Beispiel sechs bis acht Wochen) nicht gut geeignet, und die anschließende Erholungsphase gestaltet sich schwieriger als nach der Aufnahme eines kürzer wirkenden beziehungsweise oral aufgenommenen Esters.

Männer mittleren Alters wie auch Senioren müssen die Risiken für die Herz-Kreislauf-Gesundheit kennen und regelmäßig ihren Blutstatus beobachten lassen. Und alle Männer müssen sich der unterdrückenden Wirkung bewusst sein, die dieses Hormon auf Stimmung, Libido, sexuelle Funktion und Zeugungskraft ausüben kann! Nandrolon besitzt Eigenschaften, die zusammen mit der Wirkung von Testosteron therapeutische Vorteile bieten. Risiken und Vorteile müssen grundsätzlich von Fall zu Fall abgewogen werden, um sicher zu bestimmen, ob Nandrolon ein „Freund“ oder „Feind“ ist...

Text von Daniel Gwartney
Foto von Medien & Presseservice, Fotolia.com


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