29.07.2014

Die Evolution des Bodybuilding - Teil 2

Die Geschichte des Bodybuilding ist die von ehrgeizigen Individuen. Eine Geschichte vom Verfolgen der eigenen Ziele.

Die Evolution des Bodybuilding - Teil 2
Bildquelle: Sportrevue
Die Geschichte des Bodybuilding ist die von ehrgeizigen Individuen. Eine Geschichte, die das Verfolgen der eigenen Ziele mit der Summe der sportlichen Bemühungen kombiniert, um uns die Sportart zu präsentieren, die wir heute kennen.

In Teil 2 erfahrt Ihr mehr über den Sandmann, den Vater des Gewichthebens, Mr. America und die Weider Brüder.


Der Sandmann

Angelo Siciliano wurde 1892 in Acri (Italien) geboren. Er erlangte später Weltruhm und wurde als Charles Atlas zur Ikone einer Werbekampagne. 1905 zog seine Familie nach Brooklyn, New York. Als Teenager interessierte er sich für Körperaufbau und probierte viele Trainingsarten aus, aber ohne Erfolg. Als er als 16-Jähriger mit 45 Kilo und seiner Freundin am Strand von Coney Island war, trat ihm ein Rüpel Sand ins Gesicht.

Total gedemütigt, sah er kurze Zeit später im Zoo von Brooklyn, wie sich ein Löwe streckte. Ihm wurde klar, dass der Löwe ohne Gewichte Kraft und Muskeln aufbauen konnte, er brauchte nur die eine Muskelgruppe als Widerstand gegen eine andere einzusetzen. Ausgehend von dieser Beobachtung entwickelte er das, was später als Trainingsmethode der „Dynamischen Spannung“ bekannt werden sollte. In nur wenigen Jahren baute er einen hervorragenden Körper auf. 1921 und 1922 gewann er den Wettbewerb „Der schönste Mann der Welt“, der von Bernarr Macfaddens Zeitschrift „Physical Culture“ gesponsert wurde.

Obwohl er mit diesen Siegen im Rücken versuchte, seine Methode voranzubringen, war er nicht übermäßig erfolgreich – bis 1928, als er das Werbegenie Charles Roman traf. Die beiden vermarkteten die Vorteile der Dynamischen Spannung in Form von Comic-Heften: Ein 45-Kilo-Schwächling bekommt von einem Grobian Sand ins Gesicht geschleudert. Daraufhin nimmt er das Training der Dynamischen Spannung auf, geht muskelbepackt zurück zum Strand und macht den Rüpel nieder.

Viele Insider vermuteten hingegen, Atlas habe seine Muskeln mit üblichen Gewichten aufgebaut. Aber es kann nicht geleugnet werden, dass sein Körper einer der berühmtesten des 20. Jahrhunderts war. Er war eine Inspiration für Millionen von Menschen, die darüber nachdachten, wie sie ihren Körperbau verbessern konnten. Noch heute werden Kurse in Dynamischer Spannung angeboten. Charles Atlas starb am 23. Dezember 1972 an Herzversagen. Er wurde 80 Jahre alt.

Der Vater des Gewichthebens

Bob Hoffman wurde 1898 in Tifton, Georgia, geboren. Als Jugendlicher war er sehr sportinteressiert – vor allem an Kanufahren, wodurch er Kraft und einen robusten Körper aufbaute. 1920 zog er nach York, Pennsylvania, und entwickelte eine Leidenschaft fürs Gewichtheben. 1932 gab er die Zeitschrift „Strength and Health“ heraus, die schnell zum herausragenden Magazin für Bodybuilding und Gewichtheben wurde. Doch Hoffmans Vorliebe galt dem Gewichtheben, und das zeigte sich auch in seiner Zeitschrift...

Im selben Jahr gründete er die „York Barbell Company“, und ihr Sitz in New York wurde schließlich als „Muscletown, USA“ bekannt. Denn hier waren so legendäre Gewichtheber wie John Grimek, John Terpak, Tony Terlazzo, Bobby Mitchell und Gord Venables beschäftigt.

Hoffmanwurdezueinerdereinflussreichsten Figuren des Jahrhunderts im Gewichtheben. 1932 war er Funktionär für das US-amerikanische Gewichtheberteam sowie dessen Trainer bei den Olympischen Spielen von 1948 bis 1968. Für alle seine Errungenschaften wurde er als „Vater des Gewichthebens“ bekannt. Er bahnte auch den Weg für die Vermarktung von Sport-Supplementen. Und durch seine Magazine war er für mehrere Generationen eine der lautesten Stimmen, um den Nutzen des Gewichtstrainings zu verbreiten. Er starb am 18. Juli 1985 im Alter von 86 Jahren.

Der Eisenmann

Peary Rader wurde 1909 in Peru, Nebraska, geboren. Der begeisterte Gewichtheber heiratete 1936 Mabel Kirchner. Im selben Jahr brachte das Paar die erste Ausgabe von „IronMan“ heraus, die auf einem Matrizendrucker erstellt wurde. Seine bescheidenen Anfänge und die Tatsache, dass Rader nie das Bedürfnis hatte, von Nebraska zu einer Medienstadt wie New York oder Los Angeles zu ziehen, spiegelten den Geist des Magazins wider. Weniger showmäßig als Bob Hoffman oder Joe Weider füllte Rader seine Zeitschrift mit kurzen, präzisen und praxisorientierten Artikeln, die einfach zu verstehen und anzuwenden waren.

Jeder, der in den 1940ern, 60ern und 70ern ein Fan des Eisensports war, wird ausnahmslos und herzlich von den tollen Inhalten des „IronMan“-Magazins sprechen. 1986, nach 50 Jahren, verkauften die Raders „IronMan“ an den Fotografen John Balik, der die Zeitschrift auch heute noch herausgibt. Peary Rader starb am 24. November 1991, und Mabel feierte am 17. Juni dieses Jahres ihren 95. Geburtstag.

Die Evolution des Bodybuilding - Teil 2
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Mr. Britain

Der „Mr. Britain“ ist der älteste Bodybuilding-Wettkampf der Welt. 1930 von der Zeitschrift „Strength and Health“ ins Leben gerufen, findet er – außer 1956 – seitdem jedes Jahr statt. 1957 kam er unter das Patronat der NABBA (National Amateur Bodybuilders’ Association). Seine Langlebigkeit und sein Prestige spielten eine wichtige Rolle, um die Ansprüche des britischen Bodybuilding über die Jahrzehnte zu erhöhen.

Zu den Gewinnern zählen unter anderem Oscar Heidenstam (1937), Reg Park (1949), John Citrone (1966), Frank Richard (1969), Albert Beckles (1970 und 1971), Roy Duval (1973), Bertil Fox (1976), Bill Richardson (1978), Brian Buchanan (1983), Eugene Laviscount (1984) und Eddie Ellwood (1989).

Mr. America

Viele Veranstaltungen behaupten von sich, der erste „Mr. America“ gewesen zu sein. Recherchen haben jedoch gezeigt, dass diesen Wettkampf zum ersten Mal die von Bob Hoffman geführte AAU (Amateur Athletic Union) veranstaltete. Das war am 4. Juli 1939 in Chicago, Illinois; es gewann Roland Essmaker. Der „Mr. America“ wurde schnell zu einem heiß begehrten Titel und war für viele Bodybuilder das Sprungbrett zu internationaler Größe.

Zu den bekanntesten Siegern gehören John Grimek (1940 und 1941), Clancy Ross (1945), Steve Reeves (1947), George Eiferman (1948), Bill Pearl (1953), Dennis Tinerino (1967), Boyer Coe (1969), Chris Dickerson (1970), Casey Viator (1971), Tony Pearson (1978), Ray Mentzer (1979) und Jeff King (1983). Den Wettbewerb gab es übrigens noch bis 1999 – trotz der immer stärker auftrumpfenden IFBB, die in den 1960er- und 70er-Jahren ein gleichnamiges Pendant veranstaltete und 1982 gemeinsam mit dem neu gegründeten NPC (National Physique Committee) die „Nationals“ etablierte.

Die Weider-Brüder

Joe Weider wurde am 29. November 1919 geboren und sein Bruder Ben am 1. Februar 1923. Sie wuchsen in einem Armenviertel von Montreal, Kanada, auf. Sie ahnten nicht,dass ihre gemeinsamen Bemühungen die dramatischste Wirkung haben würde, um das Bodybuilding einem weltweiten Publikum bekannt zu machen...

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In seiner Jugend fand Joe Gefallen am Gewichtheben und war begeistert, welche Auswirkungen es auf seine Muskeln und Psyche hatte. Er fühlte sich körperlich und geistig fit. Als sich sein Körperbau von Workout zu Workout verbesserte, nahm die Idee, die Vorteile des Bodybuilding anzupreisen und in die Welt zu tragen, Gestalt an.

Angetrieben von dieser Idee erstellte Joe sein erstes Magazin – die August-Ausgabe 1940 von „Your Physique“ – auf dem elterlichen Wohnzimmertisch. Die Herstellungskosten der allerersten Weider-Publikation betrugen insgesamt sieben US-Dollar. 2003 wurde das Verlagsimperium der Weiders – mit den Aushängeschildern „Muscle & Fitness“, „FLEX“ und „Men’s Fitness“ – für 350 Millionen US-Dollar an American Media Inc. (AMI) verkauft.

Von Anfang an arbeiteten die Brüder harmonisch zusammen, um ihre Botschaft an die Massen weiterzugeben. Gemeinsam gründeten sie die Bodybuilding- und Fitnessbranche, machten sie überall dort populär, wo heute jeder den Nutzen des Trainings und gesunder Essgewohnheiten kennt. Während Joe das Zeitschriftengeschäft aufbaute, gründete Ben 1946 die „International Federation of Bodybuilders“ (IFBB) und machte sich daran, das Bodybuilding zu weltumspannender Größe zu führen. Heute sind der IFBB über 180 Nationen angeschlossen.

Ben blieb in Montreal, während Joe mit dem Verlagsgeschäft 1947 zuerst nach Union City, New Jersey, und 1972 nach Los Angeles zog. 1965 veranstaltete Joe den ersten „Mr. Olympia“, und schon bald galt dieser als der ultimative Bodybuilding-Titel. Es war Joe, der den jungen Arnold Schwarzenegger 1968 nach Amerika holte und damit den perfekten Katalysator fand, um in den späten 1970ern einen Fitness-Boom zu entfachen.

Joe und Ben brachten Supplemente und Trainingsequipment auf den Markt und beherrschten das Bodybuilding in einer Art und Weise wie niemand zuvor. Joe und Ben waren eigentlich nicht nur Marktführer in ihrer Sparte, sondern haben diese erst erschaffen: die Bodybuilding-Branche, wie wir sie heute kennen; mit all ihren Publikationen, Nahrungsergänzungen, Sponsoring und Wettbewerben.

Die 60-jährige Amtszeit der Weiders am Steuerrad des Bodybuilding und der Fitnessbranche ist und bleibt wohl unübertroffen. Seit Mitte der 1940er- Jahre wurden sie wichtige Akteure und schon bald Spitzenunternehmer – bis „Weider Publications“ 2003 verkauft wurde. Selbst nach dem Verkauf steht immer noch Joe Weiders Name auf den Titelblättern von „FLEX“ und „Muscle & Fitness“. Und er wird heute noch als der „Pate des Bodybuilding“ verehrt. Ben starb am 17. Oktober 2008. Er wurde 85 Jahre alt. Joe, so Gott will, wird im November 93 Jahre alt...

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Die größte Show der Welt

1949 fand etwas statt, das bis dahin und hinsichtlich der Qualität der Teilnehmer als der größte Bodybuilding- Wettkampf aller Zeiten betrachtet wurde. es war der „Mr. USA“, der am 26. März im Shrine Auditorium in Los Angeles stattfand. Hier die besten Fünf: 1) John Grimek, 2) Clancy ross, 3) Steve reeves, 4) George eiferman und 5) Armand Tanny. Unter anderem waren noch Floyd Page, roland essmaker, Jimmy Payne, Leo Stern und Harold Zinkin dabei. in der ausverkauften Halle verfolgten 6600 Zuschauer den Wettbewerb.

Hollywood-Stars wie Van Johnson und Shirley Temple waren anwesend. Der Vergleich zwischen Grimeks Körper mit dem von William Murray, der 1901 Eugen Sandows „The Great Competition“ gewann, ist ein Barometer dafür, wie sehr sich die Ansprüche im Bodybuilding in den letzten fünf Jahrzehnten erhöht hatten. Mit dem Sieg des „Mr. USA“ 1949 gewann John Grimek 1000 US-Dollar und untermauerte damit seinen Ruf als der beste Bodybuilder, den der Sport bis dahin gesehen hatte. Nach diesem Triumph trat er ungeschlagen zurück.

Es war das Ende einer Ära, in der er dominierte. Es war auch das Ende einer Epoche, in der ein Bodybuilder gleichzeitig ein Strongman sein konnte (John Grimek nahm für die USA bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin als Gewichtheber teil). Um in Zukunft ganz nach oben zu kommen, mussten sich Bodybuilder spezialisieren. Die 1950er-Jahre winkten mit dem Versprechen, neue Körper in den Mittelpunkt zu stellen und neue Grenzen zu durchbrechen!


von Peter Mcgough



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Text mit freundlicher Unterstützung der Sportrevue