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Die Evolution des Bodybuilding – Teil 1

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Die Geschichte des Bodybuilding ist die von ehrgeizigen Individuen. Eine Geschichte, die das Verfolgen der eigenen Ziele mit der Summe der sportlichen Bemühungen kombiniert, um uns die Sportart zu präsentieren, die wir heute kennen. Hier ein Überblick über die Menschen und Ereignisse, die die Bausteine der Bodybuilding-Entwicklung von 1900 bis 1950 darstellen.

Ach du dicke Kuh

Für iPhone-Junkies, die auch im Studio nicht ihr Handy aus den Händen legen können, mag es überraschend sein, dass progressives Krafttraining nicht mit Elasthan-Shorts und Bauchtaschen begann. Im sechsten Jahrhundert vor Christus besaß der griechische Ringer Milo von Kroton gewaltige Kraft, die ihm zu sechs olympischen Titeln verhalf. Der Legende nach beruhte seine Kraft darauf, dass er ein neugeborenes Kalb auf seinen Schultern herumtrug. Angeblich machte er das jeden Tag, bis das Kalb zum Stier herangewachsen war – in der Tat: progressives Krafttraining.

Die Ära der Kraftprotze

Im späten 19. Jahrhundert gehörten Auftritte von Kraftprotzen zu den Hauptattraktionen im Varieté und Zirkus. Damals waren die offiziellen Disziplinen, wie zum Beispiel beim olympischen Gewichtheben, noch nicht vorgeschrieben. Die „Strongmen“ zeigten ganz neue Kraftakte: Sie trugen jede Menge Gewicht oder Menschen über Kopf, zerbrachen Ketten oder verbogen Stahl. Dabei ging es hauptsächlich um die Darbietung und nicht um einen geschliffenen Körperbau. In dieser Zeit taten sich Kraftkoryphäen wie Attila, Louis Cyr, Apollon, Arthur Saxon und George Hackenschmidt hervor. Es gab jedoch einen, der an Beliebtheit und langfristiger Bedeutung alle übertraf…

Der erste Bodybuilder

Eugen Sandow wurde am 2. April 1867 als Friedrich Wilhelm Müller im ostpreußischen Königsberg (heute Russland) geboren. Als vielversprechender Akrobat trat er als Jugendlicher einem Zirkus bei. Als der Zirkus pleiteging, landete er mit 20 Jahren in Brüssel (Belgien). Dort besuchte er die Sportschule, die zufällig dem legendären Strongman Louis „Attila“ Durlacher gehörte. Dieser entdeckte Müllers Kraftpotenzial und integrierte ihn in seine Show. Und aus Friedrich Müller wurde Eugen Sandow.

 

Was Sandow seinerzeit von anderen Kraftpaketen unterschied, war sein muskulöser Körperbau. Er war keine massige, fleischige Gestalt mit viel Körpergewicht. Er war ein schlanker, kräftig gebauter Athlet mit runder und harter Muskulatur und klar definierten Bauchmuskeln. Sowohl sein Körperbau als auch seine Kraft machten sein Potenzial zum Star aus. Er wurde eigentlich der erste Body- builder (noch bevor der Begriff geprägt war). Neben seinen Kraftakten führte er auch eine Reihe von Posen vor, die er als „Muskelvorführungen“ bezeichnete. 1894 wurde Sandows einzigartige Muskularität von Thomas Edison bestätigt, als er mithilfe seines Kinetoskops festhielt, wie Sandow seine Muskeln vorführte.

In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts schoss sein Ruhm in die Höhe, und er wurde eine Attraktion in Amerika und Europa. In London veröffentlichte er 1894 sein erstes Buch – „Sandow’sMethodedesKörpertrainings“ – es war das Erste von vielen. 1897 gründete er sein erstes Institut für Körperkultur, gefolgt von weiteren 19 Instituten in Großbritannien. 1898 gab er seine eigene Zeitschrift heraus – „Sandow’s Magazin“ – und startete einen Versandhandel. 1904 brachte er „Body Building“ heraus und taufte so unseren Sport.

Durch sein Magazin führte er „The Great Competition“ ein – ein Wettbewerb, um den besten Körper der Zeit zu bestimmen. Hunderte nahmen teil, und etwa 70 Finalisten ließen am 14. September 1901 in Londons Royal Albert Hall ihre Muskeln spielen. 15000 Zuschauer wurden gezählt, Tausende mehr mussten abgewiesen werden. Die Juroren (einer von ihnen war der „Sherlock Holmes“-Erfinder Arthur Conan Doyle) vergaben den ersten Platz an William Murray aus Nottingham. Für seinen Sieg bekam Murray eine goldene Statue verliehen, die Ähnlichkeit mit Sandow besaß.

In seinen facettenreichen Rollen als Darsteller, Herausgeber, Förderer, Trainer und als der eigentliche Namensgeber für den Sport war Eugen Sandow in der Tat der „Vater des modernen Bodybuilding“. Sein Vermächtnis lebt heute im „Mr. Olympia“ weiter, bei dem jeder Sieger eine Sandow-Trophäe erhält. Es ist die Brücke zum 21. Jahrhundert und die gebührende Anerkennung jenes Mannes, der so viel tat, um die Grundlagen dieser Sportart vor über 100 Jahren zu zementieren.

Der P.T. Barnum des Bodybuilding

Bernarr Macfadden wurde 1868 als Bernard MacFadden in Missouri, USA, geboren. Er war ein kränkliches Kind, und man glaubte, er könne womöglich vor dem Erwachsenenalter an Schwindsucht sterben. Nichts deutete darauf hin, dass der zierliche Youngster einen imposanten Körper entwickeln und ein legendärer Charakter im Stile des Zirkuspioniers P.T. Barnum werden würde: ein charismatischer Pionier der Körperkultur und ein multimillionenschwerer Verleger.

Um seine Schwäche zu bekämpfen, begann MacFadden als später Teenager zu trainieren, erzielte schnelle Fortschritte und entwickelte einen schönen Körper. Von da an konzentrierte sich sein ganzes Leben auf den Körperaufbau und wie man diese Botschaft verbreiten könnte. Er zog von Stadt zu Stadt, arbeitete bei der Eisenbahn und war wohl der einzige Wanderarbeiter, der nach einem langen Tag Knochenarbeit ein Paar Kurzhanteln hervorholte und trainierte.

 

Im Jahr 1894, mit 26 Jahren, zog er nach New York, wo er ein erfolgreiches Trainingsstudio eröffnete. Zu dieser Zeit änderte er seinen Namen in Bernarr Macfadden, da er diesen für markanter hielt. Er entwickelte Trainingsprogramme und konstruierte neue Geräte für das Krafttraining. 1897 besuchte er Großbritannien, um jemanden zu finden, der seinen „Wand-Muskeltrainer“ vertreiben würde. Dieser bestand im Wesentlichen aus einer Reihe Kabelzügen, die an der Wand befestigt wurden. Er zeigte Hopton Hadley von der Britischen Fahrradgesellschaft seine Vorrichtung, und Hadley fragte: „Wenn dieser Wandtrainer so gut ist, was hat er dann für Ihre Figur getan?“ Macfadden zog sein Hemd aus, was den sichtlich beeindruckten Hadley veranlasste, einen Großauftrag für den Wandtrainer aufzugeben. Er verkaufte sich so gut, dass Hadley einwilligte, Macfaddens 1898 auf den Markt gebrachtes Magazin „Physical Culture“ zu unterstützen. Ein Jahr später, nachdem die Partnerschaft der beiden zerbrochen und Macfadden nach New York zurückgekehrt war, wurde daraus „Health & Strength“.

Mit den Namensrechten gründete Macfadden in New York seine eigene Zeitschrift „Physical Culture“, die erstmals 1899 erschien und über 50 Jahre existierte. Er veröffentlichte auch eine Reihe Bestseller-Bücher, und sein Zeitschriften-Imperium expandierte, indem er weitere Magazine auf den Markt brachte. In den 1920ern war er Multimillionär und Inhaber eines der größten US-amerikanischen Verlagshäuser. Neben Muskelaufbau pries er auch Präventivmedizin, allgemeine Gesundheit und Fitness an.

Bis zu seinem Tod hatte Macfadden über 100 Bücher geschrieben, darunter das achtteilige Werk „Enzyklopädie der Körperkultur“. Sein Lebenswerk brachte ihm den Spitznamen „Vater der Körper- kultur“ ein. Er absolvierte jeden Tag Gewichtstraining, war viermal verheiratet und Vater von neun Kindern. Er starb am 12. Oktober 1955 im Alter von 87 Jahren – ein langes Leben für ein zunächst kränkelndes Kind…

Hanteln für die Masse(n)

Ein unbesungener Held des Bodybuilding und Gewichthebens war der 1875 in Philadelphia geborene Alan Calvert. Inspiriert von Sandows tollem Körper begann Calvert zu trainieren und entwickelte beeindruckende Muskeln und Kraft. Aber auch er hatte seinerzeit Probleme, das richtige Trainingsequipment zu finden. Die Muskelmänner jener Zeit hatten alle maß- gefertigte Gewichte und Requisiten – niemand produzierte Lang- und Kurzhanteln „am Band“. Dem setzte Calvert ein Ende, als er 1902 die „Milo Barbell Company“ gründete, die Lang- und Kurzhantel-Sets zu angemessenen Preisen anbot. Dieses Geistesprodukt war einem Historiker zufolge der „größte Impuls, den das Gewichtheben in diesem Land je erhielt“.

Calvert verfolgte für das Widerstandstraining einen wissenschaftlichen und systematischen Ansatz und bot Trainingskurse mit seinen Hanteln an. Schließlich gab er 1914 seine eigene Zeitschrift „Strength“ heraus. Mit beiden Aktionen verbreitete er die Popularität des Bodybuilding und brachte frische Logik und Ordnung in den Muskelaufbau. Er starb 1944 im Alter von 69 Jahren.

George Jowett

George Jowett wurde 1891 in Bradford, England, geboren. Mit elf Jahren sah er einen Auftritt von Eugen Sandow und wollte den Spuren des legendären Strongman folgen. Er wurde ein versierter Turner und gewann mehrere Figur-Titel, bevor er mit 19 Jahren nach Kanada emigrierte. Dort arbeitete er als Schmied und führte berühmte Kraftakte auf. In den frühen 1920ern zog er nach Philadelphia, Pennsylvania, wo er das Jowett-Institut für Körperkultur eröffnete. Sein neu gegründetes Versandgeschäft nutzte er für die detaillierte Schilderung von Kursen im Gewichtheben, die äußerst erfolgreich waren und dem Sport ein neues Publikum bescherten. Von 1924 bis 1927 war er Herausgeber des „Strength“-Magazins (nachdem Calvert es verkauft hatte) und war eine dominante Figur im amerikanischen Gewichtheben. Jowetts vielleicht größtes Geschenk an die Körperkulturbewegung war, dass er zunächst Mentor, dann Berater des jungen Joe Weider war. Er starb am 11. Juli 1969 im Alter von 77 Jahren.

von Peter Mcgough

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Text mit freundlicher Unterstützung der Sportrevue

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