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Mein Weg zur EM in Santa Susanna

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Bildquelle: Karsten Wolf

Einmal Nationalmannschaft – diesen Traum hatte ich irgendwie schon seit 2009, als ich das erste Mal im Finale der Deutschen Meisterschaft stand. Das war damals noch im Classic Bodybuilding.

Im Herbst 2013 startete ich dann das erste Mal in der Masters Klasse. Außerdem hatte es sich angeboten, gleichzeitig auch noch die WM Quali mitzunehmen. Einfach nur so, ohne Hintergedanken – nur so für mich persönlich. Es waren eine Menge erfolgreiche Athleten am Start. Aber einfach nur cool, dabei gewesen zu sein. Nach dem Gewinn des Vize Titels bei der Deutschen Masters Meisterschaft, war für mich die Herbst Saison beendet.

Im Frühjahr war dann eigentlich nur der Loaded Cup geplant. Diesmal auch wieder in der Masters Klasse. Nachdem ich 2012 den dritten Platz in der Klasse bis 90kg belegen konnte, schaffte ich es, diesen Erfolg in der offenen Masters Klasse zu wiederholen. In der Zwischenzeit hatte ich mir überlegt, auf alle Fälle mal zur EM zu fahren. Als B Team kann man das ja. Ich wollte einfach nur einmal live dieses Feeling miterleben. Und wenn nicht jetzt, wann dann? Solche Gedanken kamen mir beim Warten vor dem Loaded Cup. Das Wochenende in Dänemark war der Hammer für mich! Das hatte ich so nicht erwartet.

Zwei Wochen später fand in Duisburg die EM Quali für die Masters Klassen statt. Da ich es vom Herbst ja noch kannte, machte ich gleichzeitig auch wieder bei der Landesmeisterschaft mit. Das bescherte mir meinen insgesamt vierten Landesmeistertitel! Aber der eigentliche Hammer war mein Sieg bei der Quali. Alle Athleten wurden anschließend zu einem persönlichen Gespräch gebeten. Da saßen sie nun. Guido Falk, Alex Stampoulidis, Detlef Herget und Spiros Memos.

Bildquelle: Karsten Wolf

Ich war noch so happy über meinen Erfolg, dass ich das mit der Aufnahme in den A Kader gar nicht gleich gerafft habe. Das passiert nämlich nicht automatisch mit dem Sieg. Das war echt der Wahnsinn und total irreal für mich. Aber als ich meinen National Team Anzug und sämtliche Unterlagen in den Händen hielt, begriff ich es langsam. Jetzt wurde es ernst und die Vorbereitung auf die EM begann. Das war schon eine ganz andere Kiste für mich. Ganz ehrlich? Ich war schon angespannter und nervöser als sonst.

Am Mittwoch sollte es los gehen. Abends sollte noch das Anmelden und Wiegen sein. Das hieß für jeden, man musste am Mittwoch schon sein Wettkampfgewicht haben. Das war natürlich mal was anderes als sonst. Mittwoch früh wog ich 90,3 kg. Das Trinken hatte ich wegen dem Flug sowieso schon eingestellt und mit dem Essen war ich auch vorsichtig. Angekommen in Barcelona und vollkommen begeistert von dem Wetter und den Palmen am Straßenrand, ging es mit Shuttle Bussen des IFBB zum Registrierungshotel mit Waage. Einige Athleten unseres super Teams waren auch schon vor Ort. Dank unserer Offiziellen ging das sehr schnell von statten. 88,8 kg zeigte die Waage. Also alles super und ich konnte endlich essen und trinken.

Nun ging es zu unserem Quartier. Was soll ich sagen? Nix! Ich war sprachlos!
Unser Hotel, viereinhalb Sterne, der Hammer! Mit Pool und direktem Zugang zum Meer. Um das leibliche Wohl brauchte man sich auch keine Sorgen zu machen. Das Essen wurde extra für uns ohne Salz gekocht und war zu jeder Zeit verfügbar. Wir waren echt begeistert und für Mona und mich kam kurzzeitig so etwas wie Urlaubsfeeling auf. Wenn die Anspannung und Aufregung nicht gewesen wäre.

Am ersten Abend fand gleich noch ein Team Formcheck statt. Da am nächsten Tag schon die ersten an den Start durften. Es war zum ersten Mal eine EM für alle Klassen gebündelt. Mit insgesamt über 700 Teilnehmern! Schon an diesem Abend merkte man den super Zusammenhalt unter den Deutschen Athleten.

 

Nach erfolgreichem ersten Tag für unser DBFV-Team, kam nun mein großer Tag! Mona hat die letzten Nächten kaum mehr schlafen können. Versteh ich gar nicht. Nein, im Ernst. Klar war auch ich nervös. Aber ich war gut vorbereitet und machte alles nach Plan. Wie immer habe ich mein Trinken minimiert und auch das Essen wurde kurz gehalten. Natürlich verschob sich zeitlich alles mal wieder. Statt den Anfang zu machen, wurde meine Klasse an das Ende verschoben. Oh Mann! Das warten war schon fies. Backstage lernte ich schon meinen österreichischen Gegner kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb gut.

Kurz vor dem Auftritt sah ich dann alle meine 14 Mitstreiter. Wie schon so oft auch hier wieder fast alle einen Kopf kleiner und mit dickeren Muskeln bepackt als ich. Aber okay, ich hatte keine Erwartungen. Ich wollte hier her und das Ziel hatte ich erreicht. Jetzt nur noch Spaß haben und genießen, dachte ich mir.

Ich wusste ich war hart, optimal vorbereitet und zufrieden mit mir selbst. Das Lineup war der Hammer. Wir standen sehr lange und man musste ständig Spannung halten. Gefühlt eine Ewigkeit und ich dachte nur, wann geben die Kampfrichter endlich ihre Zettel ab. Inzwischen konnte ich von der Bühne aus das Publikum genau beobachten und mir anhand der Reaktionen meinen Teil denken. Das macht echt Spaß und lenkt etwas ab. Nach dem wir dann in Fünfergruppen verglichen wurden, kam das große Warten auf den ersten Vergleich. Erster Vergleich heißt international automatisch Finale. Dann passierte das Unglaubliche. Es wurde meine Startnummer aufgerufen. Ich war drin. Finale, wie geil. Das hatte ich vielleicht mal geträumt, aber nie für möglich gehalten. Jetzt war es ernst.

Für mich war jetzt schon alles perfekt. Jetzt war es erst Recht „fun“ für mich. Hatte ich doch mehr erreicht, als ich je zu träumen gewagt hätte. Deshalb war ich dann im Finale total befreit und hatte mega Spaß dabei, bis zum Schluss zu kämpfen. Siegerehrung, ja Platz 6 ist meiner. Da war ich mir so sicher und freute mich drauf. Bin ich im falschen Film? Platz 6 – nicht meine Nummer. Platz 5, 4, 3 auch nicht? Das ist jetzt ein Scherz!!!

Bildquelle: Claus Willemer für www.bodybuilding.de

Meine Emotionen konnte ich nicht mehr halten, es flossen Tränen. Da oben nur noch zu zweit zu stehen. Wahnsinn! Dann wurde mein Name angesagt, mehr Glück habe ich nur bei meiner Hochzeit empfunden. Ich war so glücklich und konnte es nicht fassen, Vize-Europameister! Ich fiel meiner Frau um den Hals. Es war ein unbeschreiblicher Augenblick, alle kamen, um mir zu gratulieren und ich beobachtete das unwirkliche Szenario von meiner Wolke 7 aus. Im Anschluss folgte das bei vielen schon ritualisierte Burgeressen und dann ging es zu Fuß ins Hotel. An diesem Abend hätten wir bis nach Hause laufen können. Ich hätte das locker geschafft. Nein, besser ich wäre geschwebt. Zum Abendbrot ging es weiter mit den Glückwünschen und was bei Facebook und Co. passierte – ohne Worte. Schlafen konnte ich logischerweise nicht, ich dachte immer noch, ich träume.

Zum Glück hatten wir noch zwei Tage in Spanien. So hatte ich noch etwas Zeit, alles besser zu verarbeiten. Am Sonntag hatte ich dann Geburtstag. Wahrscheinlich der Geburtstag meines Lebens. Das Geschenk hatte ich mir ja selber gemacht und die ganzen netten Leute um uns herum, mehr ging nicht. Also nicht wahrscheinlich sondern tatsächlich der Geburtstag meines Lebens. Wir schauten uns noch ein paar Wettkämpfe an und Montag ging es dann zurück in Richtung Heimat. Heute, eine Woche danach, kann ich sagen, es ist immer noch nicht ganz angekommen bei mir. Die ganze EM war ein wunderschöner Familienausflug mit wahnsinnig tollen Menschen, voller Emotionen – die wir beide niemals vergessen werden.

Ganz zum Schluss muss ich schon ehrlich zugeben, das ich stolz auf mich bin. Vom Vize-Berliner Newcomer-Meister zum Vize-Europameister. Das alles hätte ich niemals ohne meine tolle Frau Mona geschafft. Sie unterstützt mich, ist immer da und ist der Motor der mich antreibt. Deshalb liebe ich sie so. Danke an das Deutsche Team für die geile Zeit, die wir alle miteinander hatten und noch einmal speziell an die offizielle Stelle, dass ich ein Teil dieses Teams sein durfte.

Bildquelle: Claus Willemer für www.bodybuilding.de
Bildquelle: Claus Willemer für www.bodybuilding.de

 

Von Karsten Wolf

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