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Mit Vorermüdung zum Quatdrizeps-Wachstum

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Es mag sich seltsam anhören, dass die schönste Zeit des Tages für Lee Banks die Zeit des Mittagsschlafs ist, aber lassen Sie es uns erklären: Nicht sein eigener Mittagsschlaf ist gemeint, sondern der der 70 Kinder im Alter von eins bis fünf Jahren, die täglich in Lees „Super Duck“- Kindertagesstätte kommen. Obwohl es unglaublich scheint, alle 70 Kinder dazu zu bekommen, sich gleichzeitig schlafen zu legen, ist es dennoch absolut realistisch, wenn der Boss selbst – ein 118 Kilo schwerer Mr. Banks mit tiefer Stimme, der die Sonne verdunkeln kann und kein Auge von seiner kleinen Truppe lässt – einem hilft.

„Ich hatte mein ganzes Leben mit Kindertagesstätten zu tun“, antwortet Lee auf die Frage, wie er an einen Beruf geriet, der dem Bodybuilding nicht ferner stehen könnte. „Meine Mutter betrieb eine Tagesstätte namens ,Future Duck‘; später eröffnete meine Schwester eine namens ,Future Ducklings‘. Meine eigene habe ich ,Super Duck‘ genannt, um beim Enten-Thema zu bleiben und weil ich schon immer Superman mochte“, erklärt er mit seinem typischen meilenbreiten Lächeln.
Die Rolle des „Mr. Lee, Eigentümer von Super Duck“ spielt Lee von Montag bis Freitag. Er beaufsichtigt und kontrolliert seine beiden Einrichtungen, von denen die zweite von seiner Frau Michelle geführt wird. „Früher wechselte ich dort Windeln und spielte mit den Kindern“, sagt er. „Aber heute bin ich mehr der Schuldirektor. Ich erledige Papierkram in meinem Büro und kommandiere Leute herum“, scherzt er. Sobald er mit dem Kommandieren fertig ist, geht Lee nach Hause, ruht sich etwas aus, isst eine Mahlzeit und beginnt dann Job Nummer zwei: Profi – Bodybuilding.

Lee gewann seine Profilizenz durch den Gesamtsieg der Nordamerikanischen Meisterschaften 2010. Und er hat sich bereits einigen Respekt verdient: Bei seinem Debüt bei der Europa Show of Champions belegte er Platz fünf. Und obwohl er glücklich ist, die Top Five geknackt zu haben, meint der 1,73 Meter große und 111 Kilo schwere Athlet, dass er besser hätte abschneiden können: „Bei dieser Show hätte ich definierter sein können, also habe ich mein Cardio erhöht und die Kohlenhydrate zurückgefahren.“

SIEHT GUT AUS IN GEDRUCKT
Lee ist ein Spätzünder in Sachen Bodybuilding. Ein Tritt seines Cousins ins Knie beendete Lees Karate-Ambitionen als Teenager. An den Gips gefesselt, begann er aus Langeweile, Gewichte zu stemmen. Drei Army-Jahre nach der Highschool und der „Desert Storm“- Einsatz als Panzerfahrer trugen eine Menge dazu bei, seine Fitness zu verbessern – aber nicht, seine Muskeln aufzubauen. Erst in seinen 20ern begann Lee, im Gewichtstraining mehr als einen Zeitvertreib zu sehen, aber auch dann legte er sich nicht wirklich ins Zeug. Beruf, Ehe und Familie verdrängten das Bodybuilding auf die hinteren Plätze seiner Prioritätenliste.

Lee begann, den Sport genauer ins Auge zu fassen, als er seine genetische Veranlagung erkannte. „Mein Vater war Bodybuilder, als er so alt war wie ich“, sagt Lee. „Er starb, als ich zwei Jahre alt war. Aber ich sah Bilder von ihm von lokalen Wettkämpfen. Auch mein Onkel und mein Großvater hatten Gewichte gestemmt, also hatte ich definitiv das Zeug dazu.“ Doch die Sucht hatte ihn noch immer nicht gepackt – bis er vor einigen Jahren in einem Fachmagazin ein Foto von sich bei den NPC Nationals sah. Zwar hatte er bei diesem Wettkampf „nur“ den sechsten Platz belegt, aber die Tatsache, dass er sich abgedruckt sah, überzeugte ihn, seinen Erfolg als Profi zu suchen. Seine Intuition sollte ihn nicht betrügen…

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KINDERFREIE ZONE
Wir sind im „Powerhouse“ Gym in Jacksonville, Florida. Die meisten Trainierenden hängen schon längst zu Hause vor dem Fernseher, aber für Lee fängt die Arbeit erst an. Er liebt es, allein zu trainieren, denn Konzentration ist von größter Wichtigkeit! Keine Partner, wenige Zuschauer und definitiv keine Kinder! Lee steckt gerade in der Wettkampfvorbereitung und hat am frühen Morgen vor der Arbeit bereits 50 Minuten Cardio absolviert. Nach dem Workout wird er 50 weitere Minuten dranhängen, aber im Moment ist er ganz auf seine Quadrizepse fokussiert. Wirft man heute einen Blick auf Lees Beine, würde man niemals vermuten, dass er einst ein schmächtiger Junge war, der Karate und Bruce Lee lieber mochte als Bodybuilding und Lee Priest. Als Lee in den Bereich mit den freien Gewichten geht, reiben sich seine schweren Oberschenkelmuskeln aneinander und dehnen die hauchdünne Haut, dass es aussieht, als würde sie gleich aus ihren Nähten platzen. „Meine Beine waren schon immer eine störrische Partie, und ich musste sehr viel Mühe in sie investieren“, sagt er. „Um meinen Quadrizeps und Beinbizeps auf Vordermann zu bringen, habe ich sie kürzlich in zwei separate Ziehen Sie die Füße an (Zehen zeigen zu Ihnen), um die Quadrizepse härter kontrahieren zu lassen.
Workouts gesplittet, und dieses Konzept scheint zu funktionieren.“ Lee wirft seine Tasche neben die Beinstreck-Maschine, stellt den Sitz ein und steckt den Stift bei 55 Kilo in den Block. „Ich beginne am liebsten mit dieser Übung, um die Knie aufzuwärmen und um eine Vorermüdung der Quadrizepse zu erreichen“, sagt er. „Auf diese Weise brauche ich mir bei den darauffolgenden Kniebeugen nicht Hunderte von Pfund auf den Rücken zu laden, um einen Pump zu erzielen.“ Er verankert seine Füße unter dem Polster und fasst mit beiden Händen die seitlichen Griffe, um den Oberköper zu stabilisieren. Er lehnt sich zurück, holt tief Luft und streckt die Beine durch. Seine Zehen schießen in Richtung Decke, die gestreiften Quadrizepse kontrahieren. Er pausiert kurz am oberen Punkt und führt das Gewicht dann langsam zurück in die Startposition. Er absolviert 15 Wiederholungen und erhöht dann das Gewicht für einen weiteren 15er-Aufwärmsatz auf 60 Kilo.
„Die meisten Jungs machen sich um den Winkel des Fußpolsters keine Gedanken“, meint Lee, während er aufsteht und an der Wasserflasche nippt. „Ich stelle es so ein, dass es sich möglichst weit hinten unter dem Sitz befindet. Dadurch kann ich bei der positiven und negativen Kontraktion möglichst viele Muskelfasern aktivieren und den Bewegungsradius erweitern.“ Er erhöht das Gewicht auf 65 Kilo und setzt sich wieder an die Maschine. Dann absolviert er erneut 15 Wiederholungen, die ihm scheinbar keinerlei Mühe bereiten. Eine Erhöhung des Gewichts auf 72,5 Kilo resultiert in 13 Wiederholungen. Dann erhöht er auf 82,5 Kilo. Er starrt angestrengt auf seine Oberschenkel, als er 8, 9 und schließlich zehn Wiederholungen absolviert. Einige keuchende Atemzüge und er hängt eine langsame elfte und zwölfte Wiederholung dran, bevor er das Gewicht herablässt. Er wischt sich den Schweiß von der Stirn und schreitet zur Multipresse.

MASCHINEN-MANN
„In der Offseason mache ich normalerweise Freihantel-Kniebeugen, aber in der Wettkampfvorbereitung wechsle ich zur Multipresse“, erklärt er, während er die Maschine mit Gewichtsscheiben belädt. „An der Multipresse kann ich mich zu 100 Prozent auf die Ziel muskeln konzentrieren und sie bei gleichzeitiger Ent lastung des Rückens besser isolieren.“ Nachdem er beide Seiten mit zwei Scheiben beladen hat, stellt er sich direkt unter die Hantel, die Füße hüftbreit auseinander. Er umfasst die Stange mit einem Oberhandgriff und löst sie aus der Sicherung. Dann beugt er die Knie und senkt das Gesäß herab, indem er die Hüfte nach hinten ausstellt. Seine Brust ist erhoben und der Rücken gerade. Als sich seine Oberschenkel parallel zum Boden befinden, kehrt er die Bewegung um und explodiert förmlich zurück in die aufrechte Startposition, ohne die Knie aber ganz durchzudrücken. Er absolviert zehn Wiederholungen und hakt die Hantel wieder in die Sicherung ein.

„Man sollte vorsichtig sein, wenn man das Gewicht steigert, und nicht zu weit unter die Parallele gehen“, mahnt er und erhöht das Gewicht um eine weitere Scheibe pro Seite. „Je tiefer man geht, desto mehr verlagert sich der Schwerpunkt auf das Gesäß.“ Lee begibt sich wieder an die Maschine, absolviert zehn Wiederholungen und fährt dann in dieser Weise fort (pro Seite eine Scheibe hinzu/zehn Wiederholungen), bis mit sechs Scheiben pro Seite insgesamt 240 Kilo auf der Hantel lasten. „Ich will heute bei allen meinen Sätzen zehn Wiederholungen schaffen!“, äußert er zuversichtlich. Die ersten fünf Wiederholungen gehen leicht. Die sechste kostet mehr Mühe. Sieben. Jetzt beginnt die Arbeit. Aaaaaaaacchhhttt! Er pausiert einige Sekunden und holt ein paar tiefe Atemzüge, bevor er wieder nach unten geht m wieder nach oben in die neunte Wiederholung zu explodieren. Die tiefen Atemzüge kommen jetzt schneller; ein weiterer langsamer Abstieg – die Oberschenkel beben – und dann die fi nale Explosion nach oben. Ein Knurren verkündet den Sieg, als er die Hantel wieder einhakt: „Zehn!“, bestätigt er.

PERMANENTES PRESSEN
Es dauert eine Weile, bis Lee das Gewicht auf die Beinpresse geladen hat. Zehn Scheiben pro Seite, ein Startgewicht von 400 Kilo. Er wickelt sich die Bandagen um die Knie und bereitet sich mental darauf vor, das knochenbrecherische Gewicht zu bewegen. „Ich wechsle bei jedem Satz die Fußstellung“, sagt er, als er mit dem Bandagieren fertig ist. „Der erste Satz ist Standard: hüftbreit auseinander, mittig auf der Plattform, Zehen nach vorne.“ Er setzt sich in die Maschine und positioniert die Füße. Dann entriegelt er die Sicherungen und fasst die Griffe auf beiden Seiten. Langsam beugt er seine Knie, die er leicht nach außen fahren lässt (etwas außerhalb der Schultern), um ein paar Zentimeter mehr Tiefe zu gewinnen. Als seine Knie einen 90°-Winkel bilden, drückt er das Gewicht durch die Fersen schnell wieder nach oben. Er absolviert zwölf Wiederholungen und verriegelt die Sicherungen. „Drücken Sie an dieser Maschine niemals die Knie durch – vor allem, wenn Sie schwer trainieren“, rät er. „Wenn Sie das tun, schaden Sie Ihren Gelenken und Bändern. Außerdem kann sich die Muskulatur nicht erholen, wenn Sie die Knie nicht durchdrücken, wodurch die Übung intensiver wird.“ Er fügt auf jeder Seite eine weitere Scheibe hinzu. „Bei diesem Satz werde ich eine breite Fußstellung nutzen, die Zehen leicht nach außen“, sagt er und macht zehn Wiederholungen mit 440 Kilo. Eine weitere Scheibe auf jeder Seite, ein weiterer Wechsel der Fußstellung (mittig auf der Plattform, etwa zwölf Zentimeter auseinander, Zehen gerade), um die „Träne“ des Quadrizeps besser zu betonen, und dann ist nach acht Wiederholungen auch Satz Nummer drei beendet… Für seinen letzten Satz fügt Lee noch eine weitere Scheibe pro Seite hinzu und kehrt zu seiner ursprünglichen Fußstellung zurück. Mit viel Ächzen und Stöhnen gelingt es ihm, mit 520 Kilo sechs Wiederholungen herauszuquetschen.

FÜR EINE STARKE RÜCKSEITE
„Heute ist Quadrizepstag, aber ich mache noch eine Übung für den Beinbizeps, um die Muskulatur verwirrt und das Training frisch zu halten“, erklärt Lee, während er die Bandagen von den Knien entfernt und sich zur liegenden Beincurl-Maschine bewegt. „Von Woche zu Woche wechsle ich zwischen dieser Variante und der im Stehen.“ Er steckt den Stift bei 55 Kilo ein und legt sich aufs Gerät, die Fersen unter das Rollpolster gehakt. Er fasst die seitlichen Griffe für mehr Stabilität und senkt das Kinn, um den Rücken in eine neutrale Position zu bringen. Indem er die Knie beugt und die Beinbizepse anspannt, curlt er das Polster zügig bis zum Gesäß. Er hält kurz die Kontraktion, bevor er das Gewicht langsam wieder herablässt. Er absolviert zwölf Wiederholungen, steht auf, ruht kurz, nippt ein wenig am Wasser und schüttelt die Beine durch.
Lee erhöht das Gewicht auf 60 Kilo für zehn Wiederholungen, anschließend auf 65 Kilo für acht und zuletzt auf 67,5 Kilo für sechs. „Ich könnte mehr machen“, sagt er, während er sich erhebt und seine Sachen einsammelt, „aber heute ist nicht Beinbizepstag.“

MORGENPRACHT
Genauso wenig wie heute Wadentag ist. Während der Wettkampfvorbereitung trainiert Lee seine Waden dreimal wöchentlich nach dem morgendlichen Cardio. „Ich variiere meine Wadenübung jedesmal. Zum Beispiel mache ich am Dienstag Wadenheben im Sitzen, am Mittwoch Wadenheben im Stehen und am Donnerstag Wadenheben an der Beinpresse. Abwechslung ist gut! Meine Lieblings-Wadenübung aber ist das Wadenheben im Stehen. Ich absolviere vier Sätze zu je 15 Wiederholungen mit 140 Kilo. Ich mag es, mich auf die ne gative Phase zu konzentrieren und eine gute Dehnung am unteren Ende zu erzielen. Die meisten Bodybuilder vergessen diesen Teil und führen nur Teilwiederholungen aus.“

SPIELVERLÄNGERUNG Lee beendet die Trainingseinheit mit einer Runde FST-7. Zurück an der Beinstreck-Maschine, steckt er den Stift bei 67,5 Kilo ein. „Okay, los geht’s“, ruft er und beißt die Zähne zusammen. Zehn Wiederholungen sind kein Problem. Nach nur 30 Sekunden Pause ringt er sich zehn weitere ab. Das ist der Trick bei dieser Technik: Die Zielmuskulatur darf sich zwischen den Sätzen nicht vollständig erholen. Die letzte 30 Sekunden Pause brechen an. Auf Lees Stirn steht der Schweiß. Er nimmt einen letzten tiefen Atemzug, sammelt sich und kämpft sich durch die letzten zehn Wiederholungen. Als er in den Cardiobereich geht, wirft er einige BCAAs ein und sinniert:

„Mein Ziel für die kommenden Jahre ist natürlich eine Mr.-Olympia-Qualifikation. Und ich will in die Top Drei bei der Arnold Classic kommen. Darüber hinaus will ich so viel Geld wie möglich machen, solange ich noch ,heiß‘ bin. Dieses Jahr werde ich 41, und darum will ich in den nächsten fünf Jahren, bevor alles vorbei ist, so viel wie möglich erreichen.“ Lee Banks, der Profi – Bodybuilder, beeilt sich, wieder nach Hause zurückzukehren und seine Rolle als Mr. Banks, Geschäftsmann, Ehemann und Vater zu erfüllen. Man kann dem sympathischen Kindergärtner nur wünschen, dass er seine ambitionierten Ziele erreicht!

von Lara McGlashan-Volz Fotos: Gregory James

Text mit freundlicher Unterstützung der Sportrevue

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